So schützt Open-Source vor Gentechnik

Die Open-Source Lizenz verhindert die Privatisierung von Saatgut. Kann sie auch Gentechik in der Pflanzenzüchtung verhindern? | 25. Juli 2019 | von Johannes

Wir werden oft gefragt, ob die open-source Lizenz Saatgut auch vor Gentechnik schützen kann. Unsere Antwort lautet Ja. Aber um diese Frage genau zu beantworten, muss sie differenzierter betrachtet werden.

Gentechnik - Technologien in stetigem Wandel

Zunächst ist zu sehen, dass „die Gentechnik“ viele verschiedene Technologien umfasst, und es kommen immer neue hinzu. Deshalb lässt sich der Begriff auf Dauer nicht eindeutig definieren und bleibt schwammig. Nur ein Teil davon fällt unter das Gentechnik-Gesetz, gemäß Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EUGH) nun auch die viel diskutierten Methoden CRISPR/Cas. Gleichzeitig stößt die Regulierung durch Gesetze zunehmend an Grenzen. Denn die heute entwickelten gentechnischen Methoden zielen auf Rückstandsfreiheit und sind dann nicht mehr nachweisbar - beste Voraussetzung dafür, dass Gesetze dann umgangen werden können. Zum Teil ist dies bereits gelungen.

Open-Source - ein dauerhafter Vertrag

Die Open-Source Lizenz verbietet, dass Saatgut unter exklusive geistige Eigentumsrechte gestellt wird. Dazu gehören Patente und Sortenschutz. Sie verbietet nicht die Verwendung einzelner Verfahren in der Züchtung, seien sie gentechnisch, klassisch oder heute noch unbekannt. Aus guten Gründen: Da die Methoden der Gentechnik sich in dauernder Veränderung und Weiterentwicklung befinden, müsste eine Lizenz, die „Gentechnik verbietet“ immer wieder angepasst werden. Aber dies ist nicht möglich und würde auch keinen Sinn ergeben, denn mit ihrem copyleft Prinzip, d.h. der Weitergabe der Lizenzbestimmungen auf Folgegenerationen des Saatguts ist die Lizenz auf Dauerhaftigkeit angelegt. Sie schafft ein dauerhaftes Commons. Sie kann nicht jedes Mal, wenn eine neue Gentechnik-Methode auf den Markt kommt, geändert werden.

Schutz vor Gentechnik – open-source als indirekter Hebel

Alle Gentechnik-Verfahren - auch CRISPR/Cas - sind zeit- und kostenintensiv und erfordern vergleichsweise hohe Investitionen in der Pflanzenzüchtung. Es wird zwar immer wieder behauptet, die neuen Methoden seien so einfach zu handhaben und daher sehr kostengünstig. Aber nach unserem Wissensstand ist diese Annahme falsch. Sollte es gelingen, beim Genom-Editing einzelne gewünschte Eigenschaften zu kombinieren, so muss dann ja die klassische Pflanzenzüchtung folgen, damit eine leistungsfähige Sorte daraus entstehen kann. Pflanzenzüchtung bleibt also ein langwieriger Prozess. Hinzu kommen hohe Zulassungskosten, damit die Sorten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen auf den Markt gebracht werden dürfen. Diese können im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich liegen.

Betriebswirtschaftlich lässt sich dieser hohe Aufwand nur in Verbindung mit der Sicherung exklusiver Eigentumsrechte (also über Patente) rechtfertigen. Eben diese werden aber durch die Open-Source Lizenz ausgeschlossen. 
 


 

Open-source verhindert, was von der Gemeinschaft nicht getragen wird

Das heißt: solange die Allgemeinheit mehrheitlich den Einsatz von Gentechnik in der Pflanzenzüchtung ablehnt und nicht bereit ist, die dafür erforderlichen Mittel für öffentliche Pflanzenzüchtung und die erforderlichen Zulassungsverfahren aufzubringen, wird es auch keine eigentumsfreien, öffentlichen GMO-Sorten geben. Es wäre nebenbei auch keine effiziente Mittelverwendung, denn mit den Kosten eines einzigen Zulassungsverfahrens könnten ca. hundert für die Landwirtschaft nützliche Sorten auf klassischem Wege gezüchtet werden.

Deshalb lautet unsere Antwort: De jure verbietet die Lizenz die Gentechnik nicht, de facto verhindert sie sie aber sehr wohl. Wir halten die Open-Source Lizenz für einen guten Schutzmechanismus und eine gleichwertige Alternative ist uns nicht bekannt.