Achtung: Samenfest ist nicht Open-Source

Allemand
Falsche Behauptungen von Saatguthändlern  | 27. März 2023 | von Johannes

Open-source Saatgut findet zunehmend Verbreitung - soweit die gute Nachricht. Aber leider gibt es Saatguthändler, die “open-source” mit den Prädikaten “samenfest” oder “aus reproduzierbarem Saatgut” gleichsetzen und damit zu Werbezwecken auf ihren Webseiten und Saatgut-Tüten werben. Das ist falsch, denn es gibt grundsätzliche Unterschiede.

Die Begriffe “samenfest” und aus “reproduzierbarem Saatgut” beschreiben biologische Eigenschaften, nämlich dass sich Saatgut vermehren lässt. Open-source dagegen ist eine rechtliche Eigenschaft, die Saatgut vor Privatisierung schützt. 

Der Begriff open-source ist eindeutig definiert und beschreibt Erzeugnisse die als Gemeingut verfügbar sind und - das ist wichtig - als solche geschützt werden. Für Saatgut gibt es dazu drei einfache Regeln:

  • Jeder darf das Saatgut in vielfältiger Weise nutzen, so z.B. vermehren, verbreiten, verkaufen und züchterisch weiterentwickeln, aber
  • Niemand darf es und seine Folgeentwicklungen unter Patent oder Sortenschutz stellen,
  • Nutzer verpflichten sich, Saatgut an Dritte nur mit den genannten Rechten und Pflichten weiterzugeben. 

Diese drei Regeln sind Bestandteil einer rechtlichen Vereinbarung, der Open-Source Saatgut-Lizenz, und Saatgut muss als solches gekennzeichnet sein wie im Bild dargestellt. Die open-source Saatgut Strategie ist im übrigen durch verschiedene Quellen belegt, wie zum Beispiel durch die Open-Source Initiative (OSI) oder Wikipedia. Open-source ist eben nicht „public domain“, d.h. für alle und ohne Regeln nutzbar. Der Schutz-Aspekt ist dabei entscheidend. Für open-source Erzeugnisse, die unter das Urheberrecht fallen, gibt es inzwischen einen ganzen Wirtschaftszweig. Die meisten Produkte sind mit sogenannten Creative Commons Lizenzen ausgestattet, die inzwischen auch rechtlich durchsetzbar sind. 

Wenn Saatguthändler also „open-source“ auf Ihre Saatgut-Tüten drucken und damit nicht geschütztes, aber allgemein reproduzierfähiges Saatgut verkaufen, so ist dies falsch und eine Irreführung des Verbrauchers. Darüber hinaus schadet diese Praxis der Verbreitung von Saatgut als Gemeingut.